Donnerstag, 12. März

Übergewicht und Adipositas

Wenn das Kind zu viel wiegt… 

© stock.adobe / ruslanshug

Nicht nur zu viele Erwachsene in Deutschland, auch immer mehr Kinder haben Übergewicht. Etwa sechs Prozent der Kinder entwickeln sogar Adipositas – eine chronische Erkrankung, die sich bereits im jungen Alter auf Stoffwechsel, Gelenke und seelisches Wohlbefinden auswirken kann. Am 4. März ist der Welt-Adipositas-Tag. Für uns der Anlass, der Frage nachzugehen, welche Rolle bei der Entwicklung von Übergewicht im Kindesalter der Alltag, die Gene und mangelnde Bewegung spielen und wie stark auch die Psyche beteiligt ist. Und vor allem: Was Familien tun können, damit ihr Kind gesund aufwächst, ohne dass das Thema Gewicht zur Belastung wird? 

Adipositas ist eine Krankheit – keine Charakterschwäche

„Zuerst möchte ich betonen, dass unser Körper in Vielem noch genauso funktioniert wie in der Steinzeit“, sagt unsere Expertin Prof. Dr. Antje Körner (siehe Kasten S. 10). „Damals benötigten wir Energiereserven, um zu überleben. Der Körper wollte unbedingt sein gewohntes Gewicht halten – Gewicht zu verlieren war gefährlich! Damals wussten wir auch nie, wann wir unsere nächste Mahlzeit bekommen würden, und waren täglich viel zu Fuß unterwegs, um unser Essen zu jagen oder zu finden. In der heutigen Zeit leben wir aber im Überfluss und müssen uns kaum noch bewegen. Darauf haben unsere Körper sich aber nicht umgestellt.“ Adipositas, also starkes Übergewicht, ist heute als chronische Erkrankung anerkannt. Sie hat komplexe Stoffwechsel- und Regulationsmechanismen, die weit über Ernährungsgewohnheiten hinausgehen.

Zu viel Gewicht ist nicht immer eine Frage von Willenskraft oder Disziplin, sondern vor allem eine medizinische Herausforderung, bei der insbesondere Kinder auf Unterstützung angewiesen sind. Manche Kinder haben ein höheres Risiko, weil ihr Körper Energie anders speichert oder weil hormonelle Signale wie Hunger- und Sättigungsgefühle weniger zuverlässig arbeiten. „Wir haben in Studien bereits beobachten können, dass das Gewicht der Eltern der höchste Risikofaktor ist: Leiden Mutter oder Vater an Adipositas, erhöht das die Wahrscheinlichkeit, dass auch das Kind in seinem Leben Übergewicht entwickelt, enorm. Auch zu viel Gewicht der Mutter in der Schwangerschaft kann sich nachteilig auf das Kind auswirken.“ 

Wie der Alltag sich auf kleine Körper auswirkt

Das allgemein gesellschaftliche Problem ist: „Kinder, wie auch wir Erwachsene, sitzen sehr viel – viel zu viel“, sagt Professorin Körner. „Vormittags ist in der Schule Stillsitzen gefordert. Und immer weniger Kinder gehen zu Fuß dorthin – die Eltern kutschieren sie häufig mit dem Auto. Zu den Freizeitaktivitäten sind viele Bildschirmaktivitäten wie Computerspiele dazugekommen, was die Kinder auch von echter Bewegung abhält.“ Außerdem ist das Nahrungsangebot quasi unerschöpflich: Zu den Hauptmahlzeiten kommen viele Snacks und zuckerhaltige Getränke, die stets verfügbar sind und nebenbei konsumiert werden. Und unser „Steinzeit-Gehirn“ liebt Zucker – kein Wunder, dass wir zugreifen wollen. Frühkindliche Erfahrungen und das familiäre Umfeld spielen eine große Rolle. Kinder übernehmen natürlich Routinen und Vorlieben aus ihrem Zuhause – nicht nur beim Essen und der Bewegung, sondern auch beim Umgang mit Stress oder Langeweile. Manche Kinder nutzen Essen als emotionalen Ausgleich, lange bevor sie dafür Worte finden. 

Woher weiß ich, ob mein Kind ein gesundes Gewicht hat?

Das lässt sich nicht allein an der Zahl auf der Waage ablesen. „Der allgemein bekannte Body-Mass-Index (BMI) ist auf Erwachsene ausgelegt und gilt für Kinder nicht“, erläutert Körner. „Kinderärzte nutzen BMI-Perzentilen, die neben Größe und Gewicht auch Alter und Geschlecht berücksichtigen.“ Man findet diese Kurven in den gelben Kinder-Untersuchungsheften. Sind Eltern in Sorge, sollten sie das beim Kinderarzt ansprechen. „Bemerken Sie bei Ihrem Kind einen rasanten Gewichtsanstieg, kann das ein Warnzeichen sein und Sie sollten es untersuchen lassen“, rät Prof. Dr. Körner. „Übrigens gibt es so etwas wie einen gesunden Babyspeck nicht. Zu viel Gewicht ist in jedem Alter schädlich. Kinder bekommen zwar keinen Herzinfarkt, aber es kann bereits in jungen Jahren Auswirkungen auf Blutdruck, Blutfette und Insulinempfindlichkeit haben.“ Die Folge ist oft genug die Entwicklung von Diabetes 2. Manche Kinder entwickeln Schmerzen in den Gelenken, andere leiden unter Atemproblemen oder schneller Erschöpfung. Dazu können seelische Belastungen kommen, wenn Kinder wegen ihres Gewichts ausgeschlossen oder gehänselt werden. Für viele Familien ist es hilfreich zu wissen, dass die Diagnose Übergewicht oder Adipositas nicht bedeutet, dass etwas falsch gemacht wurde. Sie ist vielmehr ein Hinweis darauf, dass medizinische Hilfe angebracht ist. 

Für ein gesundes Kindergewicht ist die ganze Familie verantwortlich

Kinder machen in der Regel das, was sie bei ihren Eltern beobachten. „Deswegen sind Mama und Papa als Vorbilder so wichtig“, betont Professorin Körner. „Ein gesunder Alltag ist die beste Prävention. Dazu gehören ausgewogene Mahlzeiten, die möglichst gemeinsam und vor allem ohne Bildschirme am Tisch genossen werden.“ Wer beim Essen abgelenkt wird, isst oft zu viel. Süßigkeiten müssen gar nicht komplett verboten werden, aber sie sollten nur in kleinen Mengen zur Verfügung stehen. Großzügig zugreifen dürfen Kinder bei Obst und Gemüse, also am besten immer wieder in appetitlichen Häppchen bereitstellen. Bewegung ist ein weiterer Schlüssel: im Sportverein und bei alltäglichen Aktivitäten wie viel zu Fuß gehen, draußen spielen, Treppen statt Aufzug, gemeinsame Fahrradtouren oder lange Spaziergänge am Wochenende. Es hilft sehr, zusätzlich Bildschirmzeiten klar zu begrenzen – nicht als Strafe, sondern als Orientierung. Kinder profitieren von einem Umfeld, das gesundes Verhalten ermöglicht und vorlebt – ohne dass das Thema Gewicht ständig im Raum steht. Sie sollten nicht das Gefühl bekommen, dass ihr Gewicht im Mittelpunkt steht oder sie „falsch“ sind. Motivation und Veränderung entstehen eher durch positive Erfahrungen – nicht durch Druck oder Kontrolle. 

Kann eine Kur meinem Kind helfen?

Bei einer medizinischen Reha („Kur“) in spezialisierten Kliniken erhalten Kinder ein strukturiertes Programm aus Ernährungsberatung, Bewegung, psychologischer Unterstützung und altersgerechter Alltagsstruktur. Aber: Eine Kur wirkt nur nachhaltig, wenn die erlernten Gewohnheiten nach der Rückkehr zu Hause weitergeführt werden. „Wir beobachten leider immer wieder, dass Kinder während der Kur zwar abnehmen, dieses neue Gewicht aber im Alltag oft nicht halten können“, sagt Professorin Körner. „Als gute Alternativen zur Kur gibt es verschiedene Programme, die langfristig Hilfe im Alltag anbieten und Bewegung sowie Ernährung schulen, unterstützt durch psychologische Hilfe und Elternarbeit. Diese Programme begleiten Familien über sechs Monate bis zu einem Jahr und werden oft durch Krankenkassen unterstützt, um langfristige Verhaltensänderungen zu fördern.“

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