Mittwoch, 12. Dezember

Tipps

Sodbrennen? Versuchen Sie’s mal mit Kartoffelsaft

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Sodbrennen, ein gereizter, nervöser Magen oder Gastritis? Der Zürcher Arzt Bircher-Benner verordnete vor über 100 Jahren seinen Patienten in solchen Fällen einen frisch gepressten Saft aus rohen Kartoffeln. Denn er war von der heilenden Wirkung überzeugt. Lange Zeit war der natürliche Säurehemmer vergessen, aber inzwischen wird das Hausmittel wiederentdeckt.

Verschiedene Gründe, warum Kartoffelsaft bei Sodbrennen hilft

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Warum der Kartoffelsaft wirkt, dazu gibt es verschiedene Ansätze. Wissenschaftler der Manchester University fanden zum Beispiel in einer Studie heraus, dass Kartoffeln ein bestimmtes Molekül enthalten. Es hält die Bakterien, die Sodbrennen und Magengeschwüre verursachen, ihrer Meinung nach in Schacht. Der Clou für die Forscher: Im Gegensatz zu Antibiotika können die Bakterien gegen Kartoffelsaft nicht immun werden. Naturheilkundler dagegen sind eher der Ansicht, dass der kaliumreiche Kartoffelsaft basisch ist und damit eine Übersäuerung eindämmt beziehungsweise einen sauren Magen neutralisiert. Er bilde sozusagen einen Puffer. Für andere liegt es wiederum nicht am basischen Charakter, sondern an der enthaltenen Stärke des Erdapfels. Sie binde die Säure.

Kartoffelsaft als traditionelles Hausmittel

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Aufgrund welcher Eigenschaften Kartoffelsaft bei Sodbrennen wirkt, ist nicht abschließend geklärt. Für Prof. Dr. med. Sigrun Chrubasik, die unter anderem an der Universität Freiburg i. Br. und der Universität Sydney tätig ist, steht fest: Der Presssaft aus rohen Erdäpfeln hilft. „In der traditionellen Medizin Europas wird der Saft frischer Kartoffelknollen bei Magenleiden, vor allem bei Hyperazidität, als spasmolytisch und antazid wirkendes Heilmittel eingesetzt“, schreibt sie. Sprich, er kann Krämpfe lösen und Magensäure neutralisieren. Dazu führte sie mit Kollegen eine Studie durch. Dabei nahmen die Patienten eine Woche lang morgens nach dem Aufstehen und abends vorm Schlafengehen den Trunk zu sich – je 100 Milliliter, bei Anhalten der Beschwerden auch mehr. „Nach einer Woche hatten sich die Beschwerden bei 2/3 der Patienten gebessert, das Beschwerdeprofil um mehr als 40 % und die Lebensqualität um mehr als 50 %. Die Patienten waren sehr zufrieden, nur bei einem Drittel war das Safttrinken ohne Erfolg geblieben. Vermutlich brauchen diese eine konzentriertere Zubereitung aus der Kartoffel und können nicht auf die Einnahme der konventionellen Therapie verzichten“, so die Medizinerin. Für sie hat das Hausmittel noch einen anderen Vorteil: Es löst später keine verstärkte Bildung von Magensäure aus.

Sodbrennen in der Schwangerschaft

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Viele Schwangere setzen auf den natürlichen Säurehemmer, wenn sie in der Schwangerschaft unter Sodbrennen leiden. Denn er gilt als magenfreundlich und gut bekömmlich. Dorothee Struck schreibt in ihrem Artikel „Sodbrennen in der Schwangerschaft – ein Fall für Kartoffelsaft“: „Die Zubereitungsform Frischpflanzen-Presssaft ist bei Schwangeren sehr beliebt, da keinerlei Konservierungsstoffe und chemische Hilfsmittel verwendet werden, die eine potenzielle Gefahrenquelle für den Fetus darstellen könnten. Auch die Abwesenheit von Alkohol in Frischpflanzen-Presssäften ist positiv zu werten.“

Kartoffelsaft – selbst gemacht oder aus Ihrer Apotheke

Wer das Hausmittel bei Sodbrennen testen möchte, kann den Kartoffelsaft selbst herstellen.

Zutaten
Rohe Kartoffeln, ca. 4 Stück

Zubereitung
1. Die rohen Kartoffeln großzügig schälen. Dabei darauf achten, dass die Erdäpfel keine grünen Stellen, Keime oder Dellen haben. Denn Kartoffeln können Solanin enthalten, ein giftiges Alkaloid. Deshalb die Schale nicht sparsam entfernen.

2. Die Kartoffeln in einen Entsafter geben.

3. Wer keinen Entsafter hat, kann auch die Kartoffeln fein raspeln, am besten in eine Schüssel hinein. Im Anschluss die Masse in ein Geschirr- oder Passiertuch geben und es ordentlich über einer Schale auswringen, sodass der frische Saft hinausläuft. Am besten schön umrühren, damit sich die Stärke nicht absetzt.

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Tipp: Den Presssaft am besten sofort trinken, damit er weder oxidiert noch bitter wird und seine Inhaltsstoffe behält. Der Geschmack ist anfangs allerdings etwas gewöhnungsbedürftig.

Schwangeren wird aufgrund des Solanins empfohlen, einen fertig gepressten Kartoffelsaft zu trinken. Er eignet sich aber auch für alle, die sich die Zubereitungszeit sparen möchten oder sich in puncto Alkaloid unsicher sind. Den fertigen Saft gibt es unter anderem in der Apotheke.

Kartoffelsaft – wie oft?

Da gibt es unterschiedliche Empfehlung. Sie sind unter anderem auch davon abhängig, was erreicht werden soll. Dorothee Struck rät Schwangeren bei Bedarf zum Beispiel zu 3 x 5 ml Kartoffelsaft am Tag plus 10 ml zur Nacht. Sigrun Chrubasik hat ihren Studienteilnehmern 100 ml nach dem Aufstehen und vorm Zubettgehen verordnet. Wer eine Kartoffelsaft-Kur machen möchte, dem legt der Arzt Dr. med. F. Becker nahe: „Man trinke zweimal am Tage, und zwar drei Wochen lang, ein halbes Rotweinglas Kartoffelsaft vor dem Essen.“ Am besten sprechen Sie mit Ihrem Apotheker darüber. Wenden Sie sich dafür gerne an die Experten Ihrer Guten Tag Apotheke. Dort werden Sie auf hohem pharmazeutischen Niveau beraten. Bei Bedarf lotst Sie der Apotheken-Finder zur richtigen Adresse ganz in Ihrer Nähe.

Mehr zum Thema

Kartoffelsaft schlägt nicht bei jedem an. Und wenn Ihre Beschwerden länger anhalten oder wiederkehren, Sie sich unsicher sind, wenden Sie sich an Ihren Arzt.

Mehr zum Thema Sodbrennen lesen Sie hier und in der September-Ausgabe-Ausgabe von MEIN TAG®, dem Magazin exklusiv aus Ihrer Guten Tag Apotheke.