Samstag, 03. Dezember

Hilfe, ich rieche nach altem Fisch!

Trimethylaminurie – eine Stoffwechselstörung

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Wenn trotz bester Körperhygiene Atem, Schweiß, Urin und Vaginalsekret intensiv nach altem Fisch riechen, dann steckt eine Stoffwechselkrankheit dahinter. Sie heißt im Fachjargon Trimethylaminurie und wird auch als Fischgeruch-Syndrom bezeichnet. Weltweit sind nur etwa 200 schwere Fälle beschrieben. Man geht allerdings davon aus, dass die Dunkelziffer leichterer Formen bei etwa einem Prozent der Bevölkerung liegt. Erfahren Sie jetzt mehr über diese seltene Krankheit.

Trimethylaminurie schränkt Lebensqualität stark ein

Die Scham ist groß. Es wird über einen getuschelt, spitze Bemerkungen über mangelnde Körperhygiene sind an der Tagesordnung – ebenso wie Probleme im beruflichen und privaten Umfeld. Die Lebensqualität von Menschen mit Trimethylaminurie ist extrem eingeschränkt. Schlicht und ergreifend weil sie streng riechen und so gut wie nichts dagegen tun können. 

Das Fischgeruch-Syndrom – eine erblich bedingte Stoffwechselstörung

Aufgrund einer Genmutation, die vererbt wird, produzieren Menschen mit dem Fischgeruch-Syndrom zu wenig von dem Enzym Monooxygenase 3. Dadurch kann die fischig riechende Substanz Trimethylamin nicht richtig abgebaut werden. Diese entsteht ganz natürlich bei jedem Menschen im Darm, wenn dort sogenannte cholinhaltige Lebensmittel verdaut werden. Cholin ist eine vitaminähnliche Substanz. Sie wurde früher als Vitamin B4 bezeichnet und ist zum Beispiel enthalten in 

  • Fisch und Meeresfrüchten
  • Lamm- und Schweinefleisch 
  • Innereien
  • Eiern 
  • Erdnussbutter 
  • Sonnenblumenkerne 
  • Vollkornweizen 

Wenn Menschen mit Trimethylaminurie nach dem Verzehr solcher Nahrungsmittel das Stoffwechselprodukt Trimethylamin nicht abbauen können, sammelt es sich im Körper an und wird über den Urin, andere Körperflüssigkeiten und sogar die Atemluft ausgeschieden. Das Ergebnis: Der oder die Betroffene riecht streng nach altem Fisch. Ansonsten ist er oder sie vollkommen gesund.

Einfacher Labortest gibt Aufschluss über Trimethylamin

Wenn der Verdacht auf das Fischgeruch-Syndrom vorliegt, sollten Sie unbedingt den Arzt oder die Ärztin Ihres Vertrauens darauf ansprechen. Mit einem einfachen Urintest kann die Konzentration an Trimethylamin im Urin bestimmt und somit die Krankheit nachgewiesen werden. 

Lebenslange Diät beim Fischgeruch-Syndrom

Trimethylaminurie ist leider nicht heilbar und es gibt derzeit auch keine Therapie gegen den beißenden Körpergeruch. Betroffene können die Trimethylaminurie-Krankheit lediglich durch ihre Ernährungsgewohnheiten ein gewisses Maß beeinflussen, indem sie weitmöglichst auf cholinhaltige Lebensmittel verzichten.

Auch lecithinhaltige Speisen sollten vermieden werden. Denn auch daraus bildet der Körper das fischig riechende Trimethylamin, welches Erkrankte nicht abbauen können. Somit gehören beispielsweise ebenfalls vom Speiseplan verbannt

  • Soja
  • Leinsamen
  • Maiskeimen
  • Hanfsamen
  • Walnüsse
  • Erbsen
  • Buttermilch

Leicht saure Körperpflege

Zur Körperpflege empfiehlt die pharmazeutische Fachzeitschrift „pta Heute“ leicht saure Produkte. Denn Trimethylamin ist stark basisch und kann auf diese Weise etwas neutralisiert werden. Sprechen Sie das Thema offen in Ihrer Apotheke an, nur so kann Ihr Apotheken-Team für Sie die beste Pflege heraussuchen. Offen mit der Krankheit umzugehen, ist ohnehin das A und O im Umgang mit Trimethylaminurie. Niemand hat sich diese Krankheit ausgesucht und muss sich dafür schämen.

In Deutschland wird an den Universitäten Regensburg und Heidelberg am Fischgeruch-Syndrom geforscht.

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