Gehen ist eine der natürlichsten Bewegungen des Menschen. Gehen ist nicht nur ein Mittel, um von A nach B zu kommen, sondern kommt auf vielfältige Weise unserer Gesundheit zugute. Ob wir (langsam) spazieren gehen, ob wir wandern oder walken: Gehen ist garantiert immer gut!
Im Internet gibt es Videos, die einem das richtige Gehen beibringen wollen. Ihre Überschriften lauten „Richtig gehen – So geht’s!“, „So gehst du richtig“ oder „Richtig gehen: 2 effektive Übung zum Gangbild verbessern“. Ob der durchschnittseuropäische Normalfußgänger solche sicherlich gut gemeinten Anleitungen wirklich braucht, kann jeder für sich selbst entscheiden. Immerhin ist Gehen die natürlichste und ursprünglichste Fortbewegung des Menschen und daher – so sollte man meinen – kinderleicht.
Das ist wohl auch der Grund warum die meisten Menschen auch einfach drauflos gehen, ohne auch nur einen einzigen Gedanken an die „richtige“ Geh-Technik zu verschwenden. Vermutlich ist das auch besser so, denn würden die Menschen während des Gehens darauf achten, ob sie „die 3 Fußwippen als Schlüssel“ (so die Überschrift eines weiteren Internet-Videos übers Gehen) auch korrekt ausführen, würden sie vermutlich ins Stolpern geraten, was nicht nur optisch, sondern, falls dies auch noch zu einem Sturz führen würde, gesundheitlich bedenklich wäre.
Also unser Tipp Nummer 1:
Verplempern Sie Ihre Zeit nicht mit dem Anschauen von Internet-Videos über das “richtige Gehen“, sondern gehen Sie einfach drauflos. Hauptsache Sie gehen.
„Gehen ist ein anderes Wort für Glück“
In einer großen Geschichte zum Thema „Eine Sehnsucht namens Glück“ schreibt das Magazin Focus (Ausgabe 5/26) zum Thema „Gehen“:
„Die Bewegung auf zwei Beinen ist nicht irgendeine zufällige Eigenschaft des Menschen, es macht ihn aus. Das Gehen zu vernachlässigen, heißt, das Wesen des Menschen zu vernachlässigen. Wer nach den Ursachen eines gesunden, langen und guten Lebens sucht, wird in allen wichtigen Studien etwas über die Bedeutung der richtigen Ernährung lesen, über ausreichend Schlaf und das soziale Miteinander. Und jede Studie schreibt der Bewegung eine besondere Rolle zu. Bewegung heißt Leben. Und die Form der Bewegung, die dem Menschen gemäß ist, ist das Gehen. Gehen hält gesund, entspannt, schafft Klarheit im Kopf und in der Seele. Im Gehen, so heißt es, lösen sich Probleme auf. Gehen ist ein anderes Wort für Glück.“
Natürlich ist eins richtig: Gehen ist nicht gleich Gehen. Es gibt unterschiedliche Arten.
Ohne Anspruch auf Vollständigkeit sind dies:
• Spazieren gehen
• Walken (inkl. Nordic Walking und Power Walking)
• Wandern
• Marschieren
Die Übergänge sind fließend. Die Unterschiede liegen im Wesentlichen im Tempo sowie in der Länge der zurückgelegten Strecke. Auch das Wetter kann eine Rolle spielen (wer geht gern im Regen spazieren?). Das hat unter anderem damit zu tun, dass dem Spazierengehen im Vergleich zu den anderen Gangarten die sportliche Komponente fehlt. Dagegen lassen sich echte Wanderer und Walker von ein bisschen Wasser von oben und Wind und Wetter nicht von ihrem Treiben abhalten. In jedem Fall gilt: Gehen ist gut. Es müssen auch nicht 10.000 Schritte pro Tag sein.
„Nicht erst ab 10.000 Schritten oder ab 6.000 oder ab 8.000 Schritten haben Sie Gesundheitseffekte, sondern vom ersten Schritt an“, sagt Sportmediziner Prof. Dr. Lutz Vogt von der Goethe-Universität in Frankfurt. Mit anderen Worten: Jeder Schritt ist besser als kein Schritt. Und das unabhängig von der Geschwindigkeit. Schon das (langsame) Spazierengehen bringt ein gesundheitliches Plus, vor allem psychisch oder mental. Es sorgt zudem dafür, dass die Vitamin-D-Vorräte im Körper wieder aufgefüllt, die Sauerstoffaufnahme und die Durchblutung verbessert, das Immunsystem gestärkt und das Herz-Kreislaufsystem aktiviert werden. Beim „Verdauungsspaziergang“ liegt das Gute schon im Wort.
Perfekt für Bewegungsmuffel
Also vor allem für Anfänger und Bewegungsmuffel ist das Spazierengehen mit einem großen gesundheitlichen Plus verbunden. Nicht zu vergessen: Aufgrund des gemäßigten Tempos lässt sich Spaziergehen ideal zu zweit mit einem Pläuschchen verbinden, es hat also auch eine soziale Komponente. Wenn es eine Bewegung gibt, die sich wunderbar in unseren Alltag einbinden lässt, dann ist es das Gehen. Lassen Sie doch Ihr Auto in der Garage stehen und gehen Sie zu Fuß zum Briefkasten, zum Bäcker oder zur Apotheke. Nicht von ungefähr heißt es „einkaufen GEHEN“. Durch dieses Alltagsgehen tut man nicht nur etwas für sich selbst und die eigene Gesundheit, sondern auch für die Umwelt (also quasi für die Welt-Gesundheit). Mit dem Auto ins Fitnessstudio zu fahren und dort auf dem Laufband eine halbe Stunde zu gehen, kann vor diesem Hintergrund bestenfalls die zweitbeste Idee sein (es sein denn, draußen auf den Gehwegen herrscht Glatteis oder es ist stockdunkel). Denken Sie daran: Die Natur hat uns nicht zwei Beine geschenkt, damit wir sie aufs Sofa legen.
Wenn´s mal etwas schneller werden soll: Laufen!
Am 3.6.2026 ist der „Tag des Laufens“. Weltweit wird der „Global Running Day“ jedes Jahr am ersten Mittwoch im Juni gefeiert, seit 2022 auch in Deutschland. An diesem Tag gibt es in ganz Deutschland eine Vielzahl von Lauf-Events, denen man sich auch als Anfänger einfach anschließen kann. Eine Übersicht über die Veranstaltungen finden Sie auf der Webseite www.tagdeslaufens.de. Natürlich kann man auch völlig unabhängig von diesen Veranstaltungen einfach von der eigenen Haustür aus eine Laufrunde drehen.
Gehen oder Laufen, Walken oder Joggen – was ist besser?
Die Frage lässt sich so pauschal nicht beantworten. Als Einstieg in den Ausdauersport ist das schnelle Gehen für die meisten am besten geeignet. Nach und nach kann man dann Teile seiner Strecke abwechselnd gehen und laufen. Dabei wird man schnell merken, dass sowohl die muskuläre als auch die Ausdauer-Belastung beim Laufen deutlich höher ist. Die Herzfrequenz und Atemfrequenz steigen deutlich an, weshalb Laufen signifikant anstrengender ist als Gehen. Allerdings ist beim Laufen auch die Belastung für die Gelenke aufgrund der Flugphase deutlich erhöht, worauf stark Übergewichtige Rücksicht nehmen sollten. Der Kalorienverbrauch ist beim Laufen ebenfalls höher als beim Gehen/Walken. Ein Läufer verbrennt in 30 Minuten etwa doppelt so viele Kalorien wie ein Walker im gleichen Zeitraum. Auf der anderen Seite: Fünf Kilometer sind fünf Kilometer, egal ob man sie geht oder läuft.
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