Montag, 26. Februar

Albtraum Blutabnahme

Angst vor Spritzen: Was Betroffenen helfen kann

©Kiattisak/stock.adobe.com

Beim Anblick einer Spritze verspüren viele ein leichtes Unwohlsein – das ist ganz normal. Bei manchen Menschen lösen Spritzen jedoch regelrechte Angstattacken bis hin zu Ohnmachtsanfällen aus. Das kann so weit gehen, dass sie notwendige Arztbesuche immer wieder verschieben, weil es dort zur Blutabnahme kommen könnte – oder dass sie wichtige Schutzimpfungen nicht wahrnehmen.

Spritzenphobie, auch Trypanophobie genannt

Die Spritzenangst oder Spritzenphobie (Fachterminus: Trypanophobie) gehört zu den Blut- und Verletzungsphobien, einem Krankheitsbild, an dem rund drei Prozent der Bevölkerung hierzulande leiden, Frauen häufiger als Männer, so die Hochschulambulanz für Psychotherapie an der Universität zu Köln. „Für unsere Vorfahren hatten starke Ängste vor Blut und Verletzungen eine wichtige Funktion, weil sie dabei geholfen haben, sich vorsichtig zu verhalten und so vor Blutverlust und Infektionen zu schützen. Heute können diese Ängste, wenn sie zur Vermeidung notwendiger medizinischer Eingriffe führen, auch dysfunktional sein“, sagt Dr. Christiane Roick, stellvertretende Leiterin des Stabs Medizin im AOK Bundesverband. „Häufig haben Menschen mit starker Spritzenangst schon in der Kindheit schlechte Erfahrungen mit Injektionen gemacht. Zudem spielt bei der Entwicklung von Angsterkrankungen oft auch eine genetische Veranlagung eine Rolle“, so die Medizinerin.

Gefühl des Kontrollverlusts macht zu schaffen

Oft haben die Betroffenen Angst, durch die Spritze verletzt zu werden, sie fürchten, bei der Injektion Schmerzen zu haben oder Blut zu sehen. Eine Blutabnahme oder Impfung stellt daher für Betroffene eine große psychische Herausforderung dar, die zu starken Ängsten bis hin zu Ohnmachtsanfällen führen kann. Dieser erlebte Kontrollverlust, oder auch nur die Angst davor, kann dazu führen, dass die Patientinnen und Patienten am liebsten gar nicht mehr in eine Arztpraxis gehen – mit negativen Folgen: Denn so besteht die Gefahr, dass Krankheiten nicht rechtzeitig erkannt werden, eine Medikamentengabe mittels Spritzen nur schwer möglich ist oder Schutzimpfungen nicht wahrgenommen werden können.

Feingefühl seitens der Behandler wichtig

Hier ist seitens der Behandler viel Feingefühl gefragt: Helfen kann ein ablenkendes Gespräch oder die Möglichkeit für die Betroffenen, sich beispielsweise im Liegen impfen oder Blut abnehmen zu lassen. Es wirkt oft auch beruhigend, wenn eine vertraute Person mit dabei ist. Kindern hilft ein Kuscheltier, dem sie eine Spritze geben, bevor sie selbst eine bekommen. Betroffene können sich in Absprache mit dem Arzt oder der Ärztin eventuell auch ein Beruhigungsmittel verschreiben lassen, das dann kurz vorher eingenommen wird.

Verhaltenstherapie kann bei Angst oftmals helfen

Wenn die Angst mit diesen einfachen Mitteln nicht in den Griff zu bekommen ist und das Vermeidungsverhalten zu negativen Folgen für die Gesundheit führt, sollte eine kognitive Verhaltenstherapie in Erwägung gezogen werden. Dazu bietet sich eine schrittweise Expositionstherapie an. „Dabei werden die Patientinnen und Patienten nach und nach mit angstauslösenden Reizen unterschiedlicher Stärke konfrontiert“, sagt Dr. Roick. Die Patienten schauen sich zunächst Bilder von Spritzen an, nehmen dann selbst eine Spritze in die Hand, stellen sich vor, eine Spritze zu bekommen und werden im letzten Schritt mit der tatsächlichen anstehenden Blutabnahme oder Injektion konfrontiert.

Lernen, die Angst vor Spritzen auszuhalten

Auf jeder dieser Stufen lernen die Patienten, ihre Ängste so lange zu ertragen, bis sie wieder abnehmen und machen so die Erfahrung, dass sie die Angst aushalten können und nichts Schlimmes passiert. Dieser Ansatz der kognitiven Verhaltenstherapie wirkt bei den meisten Patienten und Patientinnen sehr schnell und effektiv. „Wichtig ist, dass die Betroffenen ihre Angst soweit bewältigen, dass sie notwendige Gesundheitsuntersuchungen oder andere ärztliche Eingriffe nicht länger vermeiden“, so Roick. „Damit haben sie für ihre eigene Gesundheit sehr viel erreicht, selbst wenn das Blutabnehmen oder eine Spritze für sie danach immer noch ein wenig unangenehm sein sollte.“

Die zehn häufigsten Phobien

  • AGORAPHOBIE: Angst vor dem Aufenthalt auf öffentlichen (weiten) Plätzen oder in größeren Menschenansammlungen
  • KLAUSTROPHOBIE: Angst vor engen oder geschlossenen Räumen
  • SOZIALE PHOBIE (auch soziale Angststörung genannt): Angst, in sozialen Situationen im Mittelpunkt zu stehen und unangenehm aufzufallen
  • AKROPHOBIE (auch Höhenangst genannt): Angst vor der Höhe bzw. dem Blick in die Tiefe
  • AVIOPHOBIE (auch Flugangst genannt): Angst vor dem Fliegen bzw. vor einem möglichen Flugzeugabsturz
  • ARACHNOPHOBIE: Angst vor Spinnen
  • DENTOPHOBIE (auch Dentalphobie oder Zahnbehandlungsphobie genannt): Angst vor der Zahnbehandlung beim Zahnarzt
  • EMETOPHOBIE: Angst vor jeglicher Art des Erbrechens
  • DYSMORPHOPHOBIE: Angst, der eigene Körper sei nicht schön genug, habe Makel, die beeinträchtigten und entstellten
  • HYPOCHONDRIE: überdurchschnittlich große Angst, krank zu sein

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