Samstag, 27. November

Nichts für die leichte Schulter

Herzmuskelentzündung unbedingt ernst nehmen

© NDABCREATIVITY/stock.adobe.com

Eine Entzündung kann schmerzhaft oder auch nur lästig sein – ganz anders sieht es aus, wenn der Herzmuskel entsprechend betroffen ist. Bei einer Herzmuskelentzündung geht es schnell um Leben und Tod. Heute lesen Sie, was Sie vorbeugend tun können und wie Sie sich richtig verhalten, wenn unser wichtiger Hohlmuskel entzündet ist. Das Wichtigste vorweg: Infekte unbedingt vollständig auskurieren, bevor Sie dem Körper wieder viel zumuten.

Seltene Begleiterscheinung

Zu Sommerbeginn war in vielen Medien zu lesen, dass es bei Verabreichung vor allem des Corona-Impfstoffs des Vakzin-Herstellers Biontech zu Fällen von Herzmuskelentzündungen kam – so verständlich die Beunruhigung auch war, relativ schnell stellte sich heraus, dass diese Art von Komplikation nur in einer sehr geringen Zahl auftrat. Eine Myokarditis, wie die Herzmuskelentzündung medizinisch korrekt heißt, tritt im Übrigen nach Angaben von Experten auch bei anderen Impfungen als mögliche Begleiterscheinung auf – allerdings ebenso selten.

Herzmuskelentzündung im Fokus

Das Gute an der kollektiven Aufmerksamkeit: Das Thema Herzmuskelentzündung wurde damit in den Mittelpunkt des Bewusstseins der Bevölkerung gerückt. Denn völlig unabhängig vom Corona-Virus ist es wichtig, dass die Vorbeugung vor einer so lebensbedrohlichen Entzündung und der richtige Umgang mit ihr möglichst vielen Menschen bewusst ist. Grundsätzlich kann eine Herzmuskelentzündung auch bei alltäglichen Infekten wie einer Grippe (Influenza) oder einer Magen-Darm-Erkrankung (Gastroenteritis) auftreten. Natürlich ist auch eine Herzmuskelentzündung im Zusammenhang mit einer Erkrankung durch das Covid-19-Virus möglich.

Zu früh gestartet

Kardiologen raten eindringlich, das Risiko einer Herzmuskelentzündung nicht auf die leichte Schulter zu nehmen: Sie kann zu Herzrhythmusstörungen und sogar zum plötzlichen Herztod führen. Oft liegt die Ursache einer Myokarditis darin, dass man sich nach einer Infektion nicht ausreichend lange schont, sondern schon bald wieder voll belastet. Das betrifft nicht nur Leistungssportler wie den ehemaligen Top-Leichtathleten René Herms. Der mehrfache deutsche Meister über 800 Meter war Anfang 2009 tot in seiner Wohnung aufgefunden worden. Die Rechtsmedizin stellte später fest, dass der 26-Jährige an den Folgen einer Herzmuskelentzündung gestorben ist. Auslöser war eine Herpes-Infektion.

Schockierende Bilder

Zuschauer der jüngst stattgefundenen Fußball-Europameisterschaft erinnern sich an die schrecklichen Bilder, als der dänische Fußballspieler Christian Eriksen im Spiel gegen Finnland kurz vor Ende der ersten Halbzeit auf dem Spielfeld zusammengebrochen war. Er musste mit einem Defibrillator wiederbelebt werden. Experten vermutete auch hier, dass eine nicht ausgeheilte Herzmuskelentzündung zum Herzstillstand geführt hat.

Es kann jeden treffen

Nicht nur Leistungssportler, die nach einer Erkrankung zu früh wieder mit dem Training starten, steigern ihr Risiko einer Herzmuskelentzündung. Es kann jeden treffen: So fanden Eltern ihren Sohn, einen 48-jähriger Diplom-Ingenieur aus Darmstadt, tot in seiner Wohnung. Auch hier sprachen alle vorgefundenen Symptome für eine Myokarditis als Folge einer Erkältung, die der Mann nicht vollständig auskuriert hatte.

© Syda Productions/stock.adobe.om
© Syda Productions/stock.adobe.om

Im Zweifel abchecken

Ruhe ist die beste Medizin – das ist auch bei der Vermeidung einer Herzmuskelerkrankung die beste Strategie: Sich bei einem Infekt zu absoluter Ruhe und Schonung zu zwingen und jede Art von körperlicher Anstrengung und psychischem Stress zu vermeiden – das fällt vielen sehr schwer. Insbesondere, wenn man Besserung verspürt, juckt es viele, doch früher zu starten als es der Körper durch eigentlich klare Signale anzeigt. Herzmediziner raten dringend dazu, die Schonung so lange beizubehalten, bis der Infekt wirklich komplett ausgeheilt ist. Im Zweifel sollte man lieber mit einem zusätzlichen Check beim Arzt auf Nummer sicher gehen.

Fieber ist nicht entscheidend

Der Hamburger Kardiologe Dr. med. Vinzenz Graf von Kageneck beschreibt es klar: „Generell sollte man bei einer Grippe und anderen viralen oder bakteriellen Infektionen mit Sport und anderen körperlichen Belastungen auf jeden Fall warten, bis Fieber und andere Symptome wie Husten, Abgeschlagenheit und Gliederschmerzen abgeklungen sind und man sich wieder wohlfühlt.“ Auch wenn ein Infekt mit nur erhöhter Temperatur oder fieberfrei verläuft, ist Vorsicht geboten.

Symptome lassen aufhorchen

Ist es zu einer Herzmuskelentzündung gekommen, ist für Vorsicht höchste Eisenbahn: Dann ist nach Einschätzung von Experten zwingend eine komplette Auszeit erforderlich – nicht nur für ein paar Wochen, sondern für Monate. Die Symptome einer Herzmuskelerkrankung sind leider nur schwer zu erkennen. Die Entzündung der Herzmuskelzellen erfolgt meist schmerzlos. Treten Beschwerden auf, erinnern sie oft an den eigentlichen Infekt und können unspezifisch sein. Druck auf der Brust, Schmerzen oder Brennen in der Brust, Kurzatmigkeit, starkes Herzrasen oder -klopfen, Abgeschlagenheit, verringerte Belastbarkeit, Appetitlosigkeit – das können Anzeichen sein. Wenn sie in zeitlichem Zusammenhang mit einem grippalen Infekt oder einer Magen-Darm-Infektion auftreten, sollten sie gründlich ärztlich untersucht werden.

Mehr zum Thema

Den gesamten Artikel – darin auch Details zu diagnostischen Optionen – finden Sie in der September-2021-Ausgabe von MEIN TAG®, dem Magazin exklusiv aus Ihrer Guten Tag Apotheke: Darin erfahren Sie auch, welche Erfahrungen der Schlagersänger Matthias Reim machte und was die Deutsche Herzstiftung rät, um eine Herzmuskelentzündung folgenlos hinter sich zu lassen. Bei Bedarf lotst Sie der Apotheken-Finder zur richtigen Adresse ganz in Ihrer Nähe.