Dienstag, 30. Juni

Lebensmittelvergiftung

Woran man sie erkennt und was zu tun ist 

© stock.adobe.com / Gorodenkoff

Wenn das Grillfest im Badezimmer endet … Der Salat war frisch, das Fleisch lecker, die Stimmung fröhlich. Doch wenige Stunden später beginnt das große Unwohlsein: Übelkeit, Bauchkrämpfe, vielleicht sogar Erbrechen. Betrifft es nicht nur eine einzelne Person, sondern die ganze Familie, stellt sich direkt die Frage: Haben wir etwa eine Lebensmittelvergiftung? In den meisten Fällen verlaufen solche Erkrankungen unangenehm, aber harmlos. Dennoch gibt es Warnzeichen, bei denen schnelles Handeln erforderlich ist – besonders bei Kindern, älteren Menschen oder Schwangeren. 

Woher kommt eine Lebensmittelvergiftung? 

Sie entsteht, wenn verunreinigte oder falsch gelagerte Speisen krankmachende Stoffe oder Erreger enthalten. Dabei unterscheidet die Medizin zwei Ursachen: Zum einen haben sich in dem verdorbenen Lebensmittel bereits Giftstoffe gebildet. Oder – zum zweiten – man nimmt über die Nahrung Bakterien in den Körper auf, die sich dort vermehren und eine Infektion auslösen. Zu den häufigsten Auslösern zählen Bakterien wie Salmonellen oder Campylobacter, die in tierischen Lebensmitteln vorkommen können. 

Besonders anfällig ist leicht Verderbliches wie rohes Fleisch, Geflügel, Fisch, Eier, Mayonnaise oder Speisen mit Sahne. Werden sie nicht ausreichend gekühlt oder nicht vollständig durchgegart, können sich Keime rasch vermehren – vor allem bei sommerlichen Temperaturen auf der Terrasse oder im Garten. Deshalb bergen Buffets, Grillfeste oder Picknicks gern mal ein erhöhtes Risiko, weil die Leckereien in der Regel über einen längeren Zeitraum ungekühlt und womöglich noch in der Sonne stehen. Zwar bemerken wir oft am Geruch, an der Konsistenz oder am Aussehen, wenn etwas verdorben ist, wie saure Milch zum Beispiel oder Fleisch mit einem grünlichen Schimmer. Trotzdem ist verdorbenes Essen nicht immer zuverlässig erkennbar, vor allem, wenn geschmacksintensive Zutaten dabei sind. Bei einem Tiramisu zum Beispiel überlagern Süße und Bitterkeit des Kaffees gern mal einen Hauch von Verdorbenheit der enthaltenen rohen Eier. 

SOS für Bauch und Kreislauf 

Wenn Übelkeit, Erbrechen und Durchfall einsetzen, ist eines besonders wichtig: den Flüssigkeitsverlust auszugleichen. Vor allem Kinder können schnell austrocknen. Kleine, häufige Schlucke Wasser oder ungesüßter Tee sind besser verträglich als große Mengen auf einmal. Schnell besser fühlt man sich mit speziellen Elektrolytlösungen aus der Apotheke, da sie verlorene Mineralstoffe ersetzen. Feste Nahrung ist in den ersten Stunden nicht notwendig. Der Körper signalisiert selbst, wann er wieder bereit dazu ist. Dann empfiehlt sich leichte Kost wie Zwieback, geriebener Apfel, Banane oder mild gewürzter Reis. Auf fettige oder stark gewürzte Speisen sollte man erst einmal verzichten. Wichtig ist außerdem konsequente Hygiene: Händewaschen nach jedem Toilettengang und vor der Essenszubereitung hilft, eine mögliche Weiterverbreitung innerhalb der Familie zu vermeiden. In den meisten Fällen klingen die Beschwerden innerhalb von ein bis drei Tagen wieder ab. 

Wann wird’s ernst? 

Doch es gibt Fälle, in denen ärztliche Hilfe erforderlich ist. Ernst zu nehmende Warnzeichen sind hohes Fieber, starke Kreislaufprobleme, anhaltendes oder unstillbares Erbrechen sowie Durchfall, der länger als zwei bis drei Tage andauert. Auch Blut im Stuhl oder starke Bauchschmerzen sollten medizinisch abgeklärt werden. Besonders bei Säuglingen, Kleinkindern, älteren Menschen, Schwangeren und Personen mit geschwächtem Immunsystem sollte man vorsichtig sein. Ihr Körper kann Flüssigkeitsverluste schlechter ausgleichen. Zeichen einer Austrocknung sind trockene Lippen, eingesunkene Augen, wenig Urin oder ausgeprägte Müdigkeit. Bei kleinen Kindern kann auch Teilnahmslosigkeit ein Alarmsignal sein. Treten diese Symptome auf oder verschlechtert sich der Zustand deutlich, sollte man zum Arzt fahren. Im Zweifel gilt: Lieber einmal mehr abklären lassen als zu lange abzuwarten. 

Cool bleiben, gesund bleiben 

Viele Infektionen kann man vermeiden, wenn man sich an einfache Hygieneregeln hält: 

Leicht verderbliche Speisen konsequent kühlen und die Kühlkette beim Einkauf möglichst kurz halten. Dafür eignen sich Kühltaschen, um die Speisen sicher nach Hause zu bringen. 

Rohes Fleisch sollte immer getrennt von anderen Lebensmitteln verarbeitet werden, damit Keime nicht zum Beispiel an den Salat oder andere Speisen gelangen, die vor dem Essen nicht erhitzt werden. Schneidebretter, Messer und Arbeitsflächen sollte man deshalb gründlich zwischen den Arbeitsschritten reinigen, am besten mit heißem Wasser und Spülmittel. Auch sich zwischendurch die Hände zu waschen hilft, Keimübertragung zu vermeiden. Vor allem Geflügel und Hackfleisch müssen immer vollständig durchgegart werden. 

So gemütlich das Beieinandersitzen in netter Runde am gedeckten Tisch auch ist – Fleisch, Fisch, Eier und Gerichte mit Sahne sollten im Sommer auf dem Buffet oder beim Grillen nicht lange ungekühlt stehen. Bei besonders heißem Wetter könnte man das Buffet im Haus aufbewahren und zügig nach dem Auffüllen in den Kühlschrank stellen. Reste gehören rasch in den Kühlschrank und sollten spätestens am nächsten Tag verzehrt oder gut durcherhitzt werden. 

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