Mittwoch, 05. August

Neues aus der Wissenschaft

Gentherapie unterdrückt Epilepsie effektiv

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Eine neu entwickelte Gentherapie unterdrückt beginnende Krampfanfälle bei einer psychomotorischen Epilepsie. Von entsprechend erfolgreichen Ergebnissen am Tiermodell berichtet ein Forscherteam aus Experten der Berliner Charité-Universitätsmedizin und der Medizinischen Universität Innsbruck. Nun soll das Verfahren für die therapeutische Anwendung bei Menschen optimiert werden, berichten die Wissenschaftler in „EMBO Molecular Medicine“.

Herdförmiges Auftreten

Die psychomotorische Epilepsie, auch Temporallappenelepsie (TLE), ist die häufigste Form einer fokalen Epilepsie: Die Anfälle gehen in diesen Fällen von den Schläfenlappen aus. Neurologen sprechen von fokalen oder partiellen epileptischen Anfällen, wenn diese herdförmig, also nur einen Teil des Gehirns erfassend, beziehungsweise von einem bestimmten Bereich des Gehirns ausgehen und nur eine Hirnhälfte betreffen.

Viren als Transportmittel

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Die Forscher bedienen sich bei ihrem Ansatz bereits zur Therapie am Menschen zugelassener und als sicher geltender Viren als Transportmittel: „Mit diesem Vehikel transportieren wir das Dynorphin-Gen“, so Charité-Virologin Professor Dr. Regine Heilbronn. Dynorphin ist ein 1982 entdecktes Eiweißabbau-Produkt mit Opiatwirkung, das der menschliche Körper selbst produziert und das vor übermäßiger neuronaler Erregung schützen kann. Die Forscher brachten in ihrer auf einer gezielten Gentherapie basierenden neuen Methode im Tiermodell das Gen genau an die Stelle des Gehirns, von der die epileptischen Anfälle ausgingen. Sobald die Nervenzellen das Gen und damit die Produktionsanweisung aufgenommen und gespeichert hatten, produzierten sie im Tiermodell dauerhaft den Wirkstoff auf Vorrat.

Reizweiterleitung gedämpft

„Bei hochfrequenter Stimulation der Nervenzellen, wie zu Beginn eines Anfalls, wird Dynorphin ausgeschüttet. Es bewirkt eine Dämpfung der Reizweiterleitung und der epileptische Anfall bleibt aus“, beschreibt der Innsbrucker Neurobiologe und Epilepsie-Experte Christoph Schwarzer die Methode. Da der Wirkstoff nur bei Bedarf von den Zellen abgegeben werde, spreche man von einer ,,drug on demand“-Gentherapie, so der Wissenschaftler – also einer „Droge auf Anfrage“-Therapie.

Mehrere Monate keine Anfälle

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Im Tiermodell konnten die Forscher zeigen, dass ihr Ansatz epileptische Anfälle über mehrere Monate unterdrückt. Mit den Anfällen blieben auch deren negative Effekte auf Lernen und Gedächtnis aus. Nebenwirkungen wurden den Forschern bisher nicht beobachtet, was sich die Experten durch die gezielte und zeitlich beschränkte Wirkung der Dynorphin-Ausschüttung erklären: Es habe durch die anlassbezogene Abgabe auch keine Gewöhnungseffekte gegeben. Zusätzlich testeten die Forscher das Behandlungsprinzip auch an Gewebeproben von Epilepsiepatienten – mit Erfolg: Dynorphin konnte Stärke und Häufigkeit synchroner Neuronen-Aktivität im Gewebeverbund deutlich reduzieren.

Klinische Testphase angestrebt

Ziel der Forscher sei es nun, das Gentherapeutikum in wenigen Jahren als Arzneimittel erstmals in der klinischen Testphase einsetzen zu können, so Heilbronn. Zeige sich die Behandlung erfolgreich, würde TLE-Betroffenen, bei denen eine medikamentöse Behandlung nicht wirksam ist, eine minimalinvasive Einmaltherapie als weitere Therapie-Alternative zur Verfügung stehen.

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